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Tschechischer Film „Home Care“ feiert Erfolg.

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Regisseur Slávek Horák auf dem internationalen Filmfestival in Vancouver.

Slávek Horák, tschechischer Regisseur mit hohen Zielen staunt über die tschechische und slovakische Gemeinde in Vancouver, Kanada.

„Wenn ich sagen müsste, was meine Hauptbotschaft in dem Film ist, dann wäre es die Tatsache, wie wichtig es ist, sich selbst besser kennen zu lernen“. Das ist es, was Horák über seinen Debütfilm „Home Care“ sagt. Dieser wurde dazu ausgewählt Tschechien bei der Oscarverleihung 2015 zu repräsentieren.

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Canada Place, Vancouver, Kanada ©robertdemeterphotography.com

Liebe Leser,

In unseren letzten Ausgaben haben wir den von Vancouver aus arbeitenden tschechischen Maler Jan Kašparec , Libor Volf (Besitzer eines Fußballclubs) und die tschechische Sängerin Iva Bittová vorgestellt. Im Rahmen dieser Serie über erfolgreiche Tschechen und Slowaken, die im Ausland arbeiten, wollen wir die heutige Ausgabe einem aufgehenden Stern am tschechischen Filmhimmel widmen: Regisseur Slávek Horák. Sein Debütfilm feiert Erfolg auf unterschiedlichen Festivals auf der ganzen Welt. Dies ist unter anderem auch den großartigen Leistungen der tschechischen und slowakischen Schauspieler zu verdanken:  Bolek Polívka, Alena Mihulová, Zuzana Kronerová und Tatiana Vilhelmová.

Die Vorführung von Home Care auf dem VIFF (www.viff.org) Filmfestival in Vancouver war ein großer Erfolg. Dies zieht Menschen  nun schon über Jahre hinweg hin zu 9 unterschiedlichen Locations, wo bis jetzt Produktionen aus über 70 Ländern präsentiert wurden. Jedes Jahr nehmen im Durchschnitt 140.000 Menschen an den 350 Vorführungen des VIFF teil. Dies macht VIFF zu einem der 5 größten Filmfestivals in Nordamerika. In der Schlange für den Film Home Care hörte man die Sprachen Tschechisch und Slowakisch um einiges häufiger als Englisch. Menschen grüßten einander fröhlich auf Tschechisch und Slowakisch, während sie ungeduldig auf ihre Freunde warteten.

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Stadtblick über Vancouver von Cypress Mountain, Kanada ©robertdemeterphotography.com

Kurz bevor die Vorführung begann, bekam ich mit, wie einer der freiwilligen Helfer einem gewissen Slavek vorgestellt wurde. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass diese Person nicht einfach irgendein Slavek war. Und ich sollte Recht behalten! Es war der charismatische Regisseur Slávek Horák selbst, der als Überraschungsgast an der Ausstrahlung teilnahm. Dies war eine angenehme Überraschung, denn es gibt natürlich nichts besseres als einen großartigen Film mit einer Diskussion mit seinem Regisseur abzuschließen! Seine kulturellen Wurzeln liegen im Südosten Tschechiens in einer Region namens Moravia, die für ihren Weinbau und Pflaumenschnaps bekannt ist und so belohnte er jeden, der während der Gesprächsrunde eine Frage hervorbrachte, mit einem Shot des regionalen Plaumenschnapses Slivovitz. Später in unserem Interview verriet er mir, dass ihm dieses großzügige Verteilen der südmoravianischen Delikatesse in der zweiten Vorführung versagt wurde. Grund dafür war, dass dem Kino die durch das Gesetz in British Columbia vorgeschriebene Schankerlaubnis fehlt. So etwas würde in Tschechien niemals passieren, sagte der Regisseur. Dort würden Kinobetreiber so etwas eher als Spaß betrachten als als Ärgernis. Glücklicherweise dämpfte diese neue Information über Kanada seine Laune nicht.

Die begeisterten Reaktionen des kanadischen, tschechischen und slowakischen Publikums auf seinen Film erfreuten Slávek Horák sehr. Nun, worum geht es in diesem Film – geschrieben und geleitet von Slávek – überhaupt?

Wir trafen ihn bei einem angenehmen Zusammensein in der Gastown, einem Viertel in Vancouver, und führten ein Interview im Auftrag des tschechisch-slowakischen Vereins. Er reiste im Moment um die Welt, um seinen Film zu promoten und hatte einen starken Jetlag. Dennoch war er überschwänglich vor Begeisterung über seinen Erfolg. Seine Ausstrahlung war bescheiden gemischt mit gesundem Ehrgeiz. Was ihn jedoch am meisten antreibt, ist der stolze Wunsch seinen moravianischen Film vorzuführen und ihn der Welt zu zeigen. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg auf dem Filmfestival in Vancouver, Slávek.

Home Care ist dein Debüt. Wie ist der Film entstanden? Bei der Vorführung in Vancouver hast du erwähnt, dass der Film auf deiner Familiengeschichte basiert. Du hast sogar Requisiten aus deinem Haus benutzt. Wie kommt es dazu, dass er so persönlich und nah an deinem Leben ist?

Slavek HorakVielen Dank, erst einmal muss ich sagen, dass ich sehr gerne hier in Vancouver bin und die Stadt mir sehr gefällt. 20 Jahre lang habe ich Werbespots gedreht, aber ich habe mich nie bereit für einen Film gefühlt. Als dann aber mein 40ster Geburtstag näher rückte, dachte ich mir, ich versuche es mal. Ich habe also damit angefangen, indem ich von Prag in meine Heimat Moravia zurückgekehrt bin. Es ist eine sehr friedliche Umgebung und so wollte ich in Ruhe über meinen Film nachdenken. Aber ich hatte nicht mit meiner Mutter gerechnet, die mich mit ihren Geschichten nervte. Ich brauchte eine Weile, bis ich verstand, dass ihre Geschichten viel interessanter sind als alles, was ich selber erschaffen könnte. Und so kam es dazu. Meine Mutter und ihre Geschichten ließen mir keine Ruhe, über etwas anderes zu schreiben. So habe ich bemerkt, dass meine Mutter ein großartiger Filmcharakter wäre. Ich begann ihre Geschichten aufzuschreiben und ließ meine Hauptperson auf ihr basieren. Dann erschien es mir und Anderen interessant, ihren Ehemann (meinen Vater) auch einzubringen. Die Filmcharaktere stellen gewisse Stereotypen – repräsentiert durch meine Eltern – dar, die wir alle in uns tragen, oft ohne es zu bemerken. Das ist es, was ich rüberbringen wollte. Die Wahl des Drehortes war dann um so naheliegender. Die Hauptpersonen sind ja meine Eltern, also habe ich sie in meine Umgebung gebracht – der Ort, der am besten ihre Charaktere wiederspiegelt. Normalerweise sind Locationscouts in Filmen dafür zuständig, die erwünschte Atmosphäre durch besondere Effekte und Einstellungen zu erziehlen und jeden Charakter durch Kostüme zu visualisieren. In diesem Fall reichte es die Personen in mein Umfeld zu setzen. Dies war eine sehr leichte und kostengünstige Lösung. Wir brauchten also nicht nach einem geeigneten Drehort zu suchen, weil der Dreh direkt in dem Haus meiner Eltern stattfand. Diese waren sofort damit einverstanden, sie wussten ja nicht worauf sie sich einließen.

Wie ist es dazu gekommen, dass dein Film es bis auf das VIFF, das internatioanle Vancouver Film Festival, geschafft hat? Was bedeutet es für dich und wie war die Reaktion des tschechischen, slowakischen und kanadischen Publikums in Vancouver?

Lange Zeit wusste ich nicht einmal, wie der Film sich für VIFF qualifiziert hat, bis ich von Pavol Hell hörte. Er ist ein slowakischer Herr, der in Vancouver lebt und über Jahre hinweg tschechische Filme ausgewählt und für das Festival empfohlen hat. Er hatte in der Vergangenheint bereits den tschechischen Regisseur Jan Hřebejk herausgebracht. Als ich das Angebot aus Vancouver bekam, habe ich sofort zugesagt, denn ich bin ein großer Fan von Kanada. Ich bin schon in Montreal und Quebec gewesen und war sehr begeistert. Ich mag Vancouver, weil es an der Westküste liegt, wo ich noch nie zuvor gewesen war.

Bei der ersten Vorführung, konnte ich hören wie Tschechen und Slowaken sich gegenseitig begrüßten. In meinem Film werden beide Sprachen gesprochen, da er als tschechische und slowakische Koproduktion gedreht wurde und die Schauspieler sowohl aus Tschechien als auch aus der Slowakei kommen. Die Reaktion des Publikums war großartig, da es verstehen konnte, wovon der Film wirklich handelt. Viele erinnern sich an ähnliche Situationen aus ihrem eigenen Leben. Ich bin sehr beindruckt von der tschechischen und slowakischen Gemeinschaft in Vancouver. Ganz herzliche Grüße an meine lieben Landsleute in Vancouver.

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Downtown Vancouver, Kanada ©robertdemeterphotography.com

Auf welchen Festivals in deinem eigenen Land oder im Ausland wurde dein Film noch gezeigt? Was sind deine Erwartungen?

Das ist mein erster Film, also hatte ich keinen blassen Schimmer davon, wie viele Festivals es auf der ganzen Welt gibt. Natürlich hatte ich von den berühmtesten gehört, wie zum Beispiel Karlovy Vary in Tschechien, Cannes in Frankreich, Berlin und Venedig. Aber ich wusste nicht, dass es hunderte von Festivals gibt, von denen jede Woche 2 bis 3 stattfinden. Ich komme zum Beispiel gerade aus Busan in Korea, wo ich an dem größten asiatischen Filmfestival teilgenommen habe. Zur gleichen Zeit fand ein Festival in Haifa in Israel statt, wo uns unsere Schauspielerin Alena Mihulová vertrat. Als nächstes werde ich nach Mannheim in Deutschland fliegen und dann geht es weiter nach Kairo, Leeds, Zagreb, Tallinn, Ljublijana und Dubai … und jede Woche bekomme ich weitere Einladungen. Es kommt viel auf uns zu und ich bin überrascht, dass der Film so herzlich willkommen geheißen wurde. Natürlich sind wir nicht immer der Hauptakt aber ich freue mich darüber, zu sehen wie Menschen von allen Ecken dieses Planeten mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen auf unseren kleinen moravianischen Film reagieren.

Das Präsentieren eines Filmes auf Filmfestivals wird von Publizisten und Vermittlern organisiert, deren Auftrag es ist, einen Film an internationale TV-Netzwerke und Kinobetreiber zu verkaufen. Es ist ein riesiges Geschäftsnetzwerk mit großen Organsiationen, die Kontakte zwischen Festivals und Filmemachern herstellen.  Für die großen Festivals ließen wir uns selber aufstellen und dann wurden wir von kleineren Festivals angefragt, die uns wahrscheinlich auf den anderen Festivals gesehen hatten. Ich glaube, alles begann in Karlovz Varz. Dort hatten wir unseren ersten Auftritt und unsere Darstellerin gewann die Auszeichnung zur besten Schauspielerin. Karlovz Varz ist ein großes und einflussreiches Festival und so hörten Veranstalter von anderen Festivals von uns und fragten nach dem Film. Alles Weitere ist ganz von selber passiert.

Dein Film vertritt Tschechien bei den Oscarverleihungen. Welches Ziel setzt du dir dabei und wie denkst du, wird deine Arbeit in der Zukunft durch diese Nominierung beeinflusst?

Die Oscars vergeben eine Auszeichnung für den besten fremdsprachigen Film und jedes Land reicht einen Film ein, der es am besten vertreten soll. Dieses Jahr hat die tschechische Film- und Fernsehakademie meinen Film aus 39 eingereichten Filmen ausgewählt.

Es ist ein große Ehre für mich, dass ich ausgewählt wurde. Vor allen Dingen, da es mein erster Film ist. Ich werde also nach Los Angeles reisen und bei einer Vorführung mit den Spezialisten teilnehmen. Danach findet eine Gesprächsrunde statt, bei der die Juroren die Filmemacher wahrscheinlich besser kennen lernen wollen. Was nun meine Erwartungen sind? Die Konkurrenz ist groß, da über 80 Filme nominiert wurden, von denen viele bereits Preise auf großen Festivals in Cannes und Berlin gewonnen haben. Jeder Erfolg ist also ein Gewinn für mich. Erst einmal kommen 9 Filme in die engere Auswahl und wenn wir so weit kommen, sehe ich dies bereits als Erfolg. Von diesen 9 Filmen werden 5 nominiert. Diese Nominierung würde für mich einem Gewinn gleichkommen. Der tatsächliche Gewinn erscheint mir jedoch sehr fern.

Wie das meine Arbeit in Zukunft beeinflussen wird? Ich würde gerne einen Film auf Englisch drehen, da ich 20 Jahre lang Werbespots gedreht habe und die Sprache spreche. Außerdem kenne ich mich gut in der Kultur aus. Für diesen Plan würde jeder Erfolg, zum Beispiel bei den Oscars in die engere Auswahl zu kommen, einen großen Schritt vorwärts bedeuten und ihn realer werden lassen. Das würde ich mir sehr wünschen. Natürlich liebe ich Tschechien und die tschechische Kultur, das wird denke ich in meinem Film mehr als deutlich. Allerdings ist die Reichweite der tschechischen Sprache sehr eingeschränkt.

99 Prozent der international erfolgreichen Produktionen sind made in English. Es müsste nun also etwas wirklich Außergewöhnliches sein um wirklich groß zu werden. Ich würde mir sehr wünschen, die besten Filme zu drehen und ein breites Publikum zu erreichen, um einen größeren Einfluss zu haben. Das ist der Grund, weshalb ich das Ziel hab, einen Film in der Weltsprache Englisch zu drehen. Außerdem hätte ich als Regisseur so die Möglichkeit mit großartigen Künstlern zu arbeiten, die in dem was sie tun den besten Ruf in der Welt haben. Dies wäre eine sehr verlockende Idee. Ich denke, ich habe durchaus die Erfahrung, dies zu tun, da ich bereits mit internationalen Filmteams gearbeitet habe. Ich werde also auf dieses Ziel hin arbeiten. Jeder Erfolg bei den Oscars würde mich natürlich darin unterstützen und mir günstige Bedingungen schaffen.

Lass uns etwas über die Thematik des Films reden.

Auf Grund von Erfahrungen in deiner Familie handelt dein Film von alternativen Heilungsmethoden, Naturheilkunde und Energieheilung im Gegenspiel zu traditioneller Medizin. Ist dies der Versuch eine Geschichte mit der Welt zu teilen, die vom Bewusstsein des Selbst handelt und davon, wie wichtig es ist an die Selbstheilung ohne Medikamente zu glauben?

Ich würde sagen, dies ist nicht direkt das Leitmotiv. Es geht eher darum, auf sich selber zu hören und die Fähigkeit auf sich selber, seine Gesundheit und sein eigenes Leben Acht zu geben. Dabei spielt es keine große Rolle was einen zu diesem Thema hinzieht. Ob es nun Spiritualität, Naturheilkunde oder was auch immer ist. Die weibliche Hauptperson im Film entdeckt dies durch ihre Krankheit, die zur gleichen Zeit direkt in Verbindung mit ihrem Beruf steht. Es ist beeindruckend, wie zuversichtlich sie ist und dass sie sogar in Betracht zieht, als Krankenschwester zu arbeitet. Dann jedoch bemerkt sie plötzlich, wie ihre Überlegenheit bei immer mehr einströmenden Informationen zu bröckeln beginnt. Als sie dann ihren Horizont erweitert und Wissen über andere Arten der Heilung ansammelt, lernt sie sich hauptsächlich selber besser kennen. Dies erscheint mir persönlich sehr wichtig, da es mein Hauptziel war, zu zeigen, wie wichtig es ist sein inneres Selbst kennen zu lernen. Wenn Einem das gelingt, wird es auch nach Außen hin deutlich und man wird sich in Situationen wiederfinden, in denen man sich  um Andere sorgen und mit ihnen kommunizieren kann. Wenn man mit sich selber im Einklang ist, werden  alle Beziehungen als natürliche Folge besser und reiner.

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Foto ©robertdemeterphotography.com

In wie weit denkst du, wurdest du selber durch den Beruf deiner Mutter beeinflusst und durch ihre Hingabe Anderen gegenüber, die du im Film darstellst? Hat es dich bemerken lassen, dass du einen Ausgleich zwischen dir und deinem inneren Selbst brauchst?

Das war ein interessanter Prozess. Als ich ein Teenager war, verachtete ich meine Mutter für ihre sorgende Einstellung. Dies lag denke ich daran, dass ich als Teenager ziemlich selbstzentriert und egoistisch war. Ich hatte das Gefühl, dass es am wichtigsten ist, nur auf sich selbst zu achten. Die altruistische Haltung meiner Mutter nervte mich zu dieser Zeit. Eine typische Situation war zum Beispiel, wenn sie leckere tschechische Schnitzel zubereitete und dabei eines verbrannte. Sie aß immer das verbrannte. Zu dieser Zeit brachte mich das auf die Palme, aber ich akzeptierte sie, so wie sie ist. Wenn ich daran zurückdenke merke ich, dass mein Film vielleicht sogar schon zu meinen Teenagerzeiten begann, als mich ihr Beschützerinstinkt störte. Heute jedoch sehe ich ihre Selbstlosigkeit als kostbare Gabe.

Es ist aber wichtig einen Ausgleich zu haben zwischen auf sich selber achten und sich um andere zu sorgen. Vlasta, die Hauptperson im Film hat diesen Ausgleich nicht. Sie ist unausgewogen und sorgt sich zu sehr um Andere. Dies ist genau so ungesund wie Egoismus. Meine Absicht war also gar nicht eine große Botschaft zu vermitteln, sondern eher daran zu erinnern, dass wir in unserem Leben nicht viel Zeit übrig haben. Deswegen sollten die Selbstsüchtigen mehr an Andere denken und die Selbstlosen dagegen besser auf sich selber Acht geben. Wir brauchen alle einen Ausgleich in unserem Leben, um inneren Frieden und Glück zu finden.

Im Film benutzt der Heiler eine sehr spezielle Methode, die er mit jedem Teilnehmer durchführt. Dabei geht es um Seelensuche und es sieht so aus, als ob die Menschen ihr Bewusstsein verlieren. Hast du selber an einem ähnlichen Kurs für Seelensuche teilgenommen? Wie stark fühlst du die Verbindung zu deiner Seele und was sagt sie dir?

Ich persönlich habe einen solchen Kurs noch nicht durchgeführt und ich bin auch nicht besonders sensibel oder offen dafür, da ich mich selber eher als schüchtern bezeichnen würde. Ich würde es wohl ausprobieren zu zweit mit einem Guru, aber nicht in einer Gruppe. Meine Exfreundin war es, die mich zu diesem Thema brachte. Sie fand diese Methode sehr interessant und nahm an einigen Seminaren teil. Ich bekam die Informationen also direkt von ihr und suchte außerdem online nach einigen Heilern, auch wenn manche von ihren Methoden sehr eigenartig sind. Heiler benutzen unterschiedliche Heilungstechniken um ihre Teilnehmer in einen Trancezustand zu versetzen. Der Zweck dabei ist, die Sinne zu schärfen und einen Zustand höherer Sensibilität für spirituelles Bewusstsein zu schaffen.

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Ich schätze mich glücklich, eine gute Basis zu haben und dank meiner Erziehung ein positives Bewusstsein zu besitzen. Ich fühle also keine inneren Konflikte. Dies sind Dinge, die jeden betreffen, der Herausforderungen ins Gesicht schauen muss, der unausgeglichen ist oder Probleme hat. Ich selber sehe mich aber als eher ausgeglichenen und als einen in sich selbst ruhenden Menschen, von daher bin ich nicht auf der Suche nach Sitzungen dieser Art, Trancezuständen oder Meditation.

Welche Regisseure inspirieren dich und zu wem schaust du auf?

Ich habe schon immer Miloš Forman gemocht, was jedoch nicht außergewöhnlich ist. Vor allen Dingen im Hinblick auf seine Filme The Fireman’s Ball und The Loves of a Blond. Ich denke, das ist genau die Art und Weise, auf die ich die Welt darstellen würde, wenn ich wüsste wie. Es ist die perfekte Mischung aus Humor, Nostalgie, Tragik und ein sehr lebhafter Einblick in den menschlichen Kopf und unsere Gesellschaft. Forman ist ein sehr intelligenter und sensibler Beobachter, der das echte Verlangen der Menschen entdeckt. Die meisten drücken ihre Wünsche nicht direkt aus, sondern sprechen über andere Dinge. Ich habe nie bewusst versucht, Miloš Forman nachzuahmen oder seinem Beispiel zu folgen, wenn ich Filme drehe, aber ich habe mich ihm seit meiner Kindheit sehr verbunden gefühlt. Natürlich weiß er nicht, dass ich so empfinde. Ich habe schon immer gewusst, dass ich das gleiche Talent besitze wie er und dass ich Filme auf die gleiche Art und Weise drehen würde.

Wie war es mit Bolek Polivka – einem der berühmtesten tschechischen Schauspieler –  zu drehen?

Es war großartig! Die Zusammenarbeit mit allen Schauspielern war großartig. Nicht nur, weil sie sehr talentiert film-home-care-horakwaren, sondern weil sie die Arbeit sehr ernst genommen haben. Ich habe sehr darauf geachtet, dass die Schauspieler alle gut zu ihren jeweiligen Charakteren passen. So musste ich nicht viel erklären. Sie erfassten sofort, worum es ging, da sie aus Moravia kommen und die Filmcharaktere nah an ihnen dran sind. Bolek ist ein robuster Mann, der sich hinter seinen Witzen versteckt. Eigentlich ist er aber eine sehr sensible Seele. Alena ist in Wirklichkeit die gleiche sorgende Mutter, die viel für ihre Familie tut. Zuzana Kronerova ist eine sehr intensive, charismatische Persönlichkeit. Im echten Leben ist sie zwar keine Heilerin, aber sie ist eine starke Führungskraft. Die Filmcharaktere liegen ihnen also allen sehr nahe. Von daher musste ich nicht viel erklären, wir mussten also keine zusätzlichen Anstrengungen unternehmen, um ihre Charaktere zu perfektionieren. Sie sind alle sehr talentiert und nehmen ihre Arbeit ernst. So waren sie immer gut vorbereitet, fokussiert und haben sogar eigene Ideen für Verbesserungen eingebracht. Für mich war es das reinste Vergnügen aus einer großen Auswahl die besten Szenen rauszusuchen.

Hast du auf kurze oder lange Sicht neue Pläne und wenn ja, was wird das nächste Thema sein? Nach so einem Erfolg mit deinem ersten Film gehen wir davon aus, dass es nicht der einzige sein wird?

Naja, es wird wohl keinen Home Care 2 geben, aber ich würde sehr gerne weiterhin Filme drehen. Ich habe das Gefühl, endlich meinen Platz in der Welt gefunden zu haben, indem ich Filme mache. Es ist eigentlich gar kein großes Ding, aber es liegt mir gut. Ich bin noch nicht sicher was als Nächstes kommt. Ich war bereit mit dem Schreiben anzufangen, ich habe einige Ideen und Themen, aber jetzt, wo so eine unerwartet hohe Welle von Interesse an diesem Film auf mich zukommt, denke ich, dass ich mich im nächsten halben Jahr wohl komplett der Promotion des Filmes widmen werde. Das wird wohl meine gesamte Zeit in Anspruch nehmen. Im Frühling möchte ich mich dann etwas entspannen und werde über den nächsten Schritt nachdenken. Im Moment habe ich allerdings nicht eine freie Minute dies zu tun.

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Foto ©robertdemeterphotography.com

Liebe Leser, was für einen Schluss ziehen wir nun daraus?

In allen Ecken des Kinos konnte man Lachen hören und die Zuschauer gingen tief beeindruckt nach Hause. Das Ziel des Regisseurs war es, die Bedeutung sich selber kennen zu lernen, zu verdeutlichen. Zur gleichen Zeit konnten die Zuschauer sich mit den Situationen identifizieren, die ihnen nahe lagen. Der Film stellt vor allen Dingen den Charakter der Krankenschwester Vlasta dar, mit der sich sicherlich viele Frauen als Ehefrauen und Mütter identifizieren. Sie sind verbunden mit den Gefühlen von Freude und manchmal auch Last, die das nicht endende Sorgen für Familie, Ehemann, Kinder und Andere mit sich bringt.

Zur gleichen Zeit sprach der Film aber auch diejenigen an, die ihr Leben bereits durch Krebs oder andere Krankheiten bedroht sahen, oder auch diejenigen, die ihre Geliebten durch eine Krankheit hindurch begleitet haben und von Gefühlen wie Angst, Machtlosigkeit aber hoffentlich auch Glaube und Hoffnung auf Heilung  übermannt wurden. Diejenigen, die in ihrem Leben mit anderen Problemen zu tun haben und auf alternative Heilmethoden, Selbstheilung ohne Medikation, Reiki und und andereTherapien zurückgreifen mit dem Ziel Kraft und Vertrauen zu gewinnen. Oder auch diejenigen, die an Seminaren teilnehmen um ihre Gefühle freizusetzen und dadurch die unterschiedlichen Nuancen der Suche nach der inneren Wahrheit in ihrer Seele kennen gelernt haben. Was nimmst du nun davon mit nach Hause?

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Was zum Ende des Films hin in der Luft hängt ist Hoffnung. Hoffnung darauf, dass wir Glauben finden. Hoffnung darauf, dass wir geheilt werden und gefährliche Krankheiten überwinden. Hoffnung darauf, dass  Liebe und Standhalten von Herausforderungen des Lebens uns die richtige Richtung weist. Hoffnung darauf, dass, wenn wir uns selbst und unsere Seele besser kennen lernen, unser Leben erfüllter sein wird, wir uns besser fühlen werden und unsere Beziehungen mit der Welt wertvoller sein werden. Hoffnung darauf dass, auch wenn das Graben in unseren Gefühlen und die Suche nach innerer Wahrheit manchmal schmerzhaft sein kann, wir fündig werden und Erfahrungen haben werden, die uns in einen höheren Zustand des Bewusstseins versetzen werden. Hoffnung, dass uns diese neue Erkenntnis bereichern wird.

Also, lerne dich selber besser kennen, fang an in den Tiefen deinen Selbsts zu graben, untersuche die Gründe deines Schmerzes und deiner Krankheit und frage dich selbst, warum du nicht glücklich bist in diesem Moment. Frage dich, was das für dich bedeutet. Zur gleichen Zeit vergiss aber auch nicht, Freude in dein Leben zu bringen, indem du Zeit mit Menschen verbringst, die du liebst. Vor allen Dingen mit denen, die bis zum Ende zu dir halten egal unter welchen Umständen.

Nachwort vom Herausgeber des Zpravodaj Magazins

Dieses Interview wurde von Lenka de Graafova geführt, Geschäftsführerin des Übersetzungsunternehmens LingoStar und freiwillige Reporterin des tschechisch und slowakischen Magazins Zpfavodaj. Wir freuen uns über euer Feedback auf der LingoStar Translations Facebook Seite. Dieser Artikel ist auch auf Tschechisch und Englisch verfügbar auf der Seite http://www.lingo-star.com/star-stories. Er gehört zu einer Reihe über interessante Menschen aus Tschechien Republik oder Slowakien, die im Ausland erfolgreich geworden sind. Wir danken www.robertdemeterphotography.com für seine Fotos für diesen Artikel.

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Lenka mit Slavek in der Gastown, einem Viertel in Vancouver, Kanada ©robertdemeterphotography.com

Bleib dabei für die nächste Ausgabe

Wir haben ein nächstes Interview in Vorbereitung mit Zdenka Blechova, eine interessante und tatkräftige Frau, die als spirituelles Medium arbeitet und Seminare leitet, die das Suchen nach dem inneren Selbst unterstützen. Außerdem ist sie Bestitzerin eines ägyptischen Spas und führt ihr eigenes Verlagshaus, wo sie bereits zahlreiche Bücher publiziert hat, die von Selbstheilungsmethoden, Meditation, der Verbindung zum inneren Selbst und Gesundheit handeln. Verpass die Botschaft des nächsten Interviews nicht!

Hast du eine interessante Geschichte über dein Leben im Ausland, die du mit der Welt teilen möchtest? Kontaktiere Lenka lenka @ lingo-star.com. Vielen Dank für jede Unterstützung und Teilhabe an unserer Mission, der Welt interessante Menschen aus Tschechien und Slowakien zu zeigen. Jeder ist tatsächlich eine Berühmtheit und interessant auf seine eigene Art und Weise!

Herzliche Grüße,

Lenka de Graafova

Das tschechische Interview findet ihr hier: www.lingo-star.com/project/horak-domaci-pece/.
Hier könnt ihr die englische Übersetzung lesen : www.lingo-star.com/project/home-care-movie-horak/.

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Posted on

December 14, 2015